Ende November wählen wir einen neuen Schulrat bzw. eine neue Schulrätin. Zur Wahl stellen sich Markus Eigenmann (FDP) und Nathalie Miller Lanz (Frischluft). Als unparteiischer und unabhängiger Verein bezieht die Elternplattform keine Stellung für oder gegen eine/n Kandidierende/n – wir sind an Inhalten interessiert, nicht an Partei-Takt- und -Paktierereien.

Um die inhaltlichen Standpunkte herauszuarbeiten, haben wir mit beiden Kandierenden ein Interview geführt. Sie finden die Fragen und Antworten unten und wir hoffen, dass sie Ihnen helfen, die für Sie richtige Wahl zu treffen.

Sie können sich auch eine übersichtliche Tabelle mit den Fragen und Antworten als PDF herunterladen.

Die Kandidierenden

Markus Eigenmann (ME), FDP, (1971) ist verheiratet und Vater von vier Kindern zwischen 2 und 10 Jahren. Er ist Geschäftsführer eines Basler Industrieunternehmens und Vizepräsident der FDP Arlesheim. Mehr zu ihm: http://treffpunkt-schule.net

Nathalie Miller Lanz (NML), Frischluft, (1971) ist verheiratet und hat zwei Kinder im Alter von zwei Jahren und acht Monaten. Sie ist PR-Fachfrau und wird im Januar nach ihrem Mutterschaftsurlaub ihre Teilzeitstelle in der Unternehmenskommunikation bei einer Versicherung wieder aufnehmen. Mehr zu ihr: http://frischluft4144.wordpress.com

Warum möchtest du dich in den Schulrat wählen lassen?

ME: Es gibt zwei Gründe: Zum einen habe ich als Vater von vier Kindern Interesse daran, dass wir über eine gute Schule verfügen – ich werde noch lange mit ihr Kontakt haben.

Zum anderen habe ich vor einigen Jahren Spass an der Politik gefunden, und Bildungspolitik ist für mich ein Schwerpunkt, weil sie alle Menschen betrifft.

Ich finde, dass unsere Schulen in der Öffentlichkeit schlechter wegkommen, als dass sie wirklich sind; in gewissen Einzelfällen werden nur noch die negativen Seiten hervorgehoben. Die Schule soll wieder das Vertrauen erhalten, welches sie verdient.

NML: Ganz generell übernehme ich gerne Aufgaben am Ort, wo ich wohne und setze mich so für die Allgemeinheit ein.

Warum dann gerade der Schulrat? Bildung / Schule ist ein wichtiges Thema, welches mich als Mutter besonders, aber im Prinzip alle betrifft – Kinder sind unsere Zukunft, und es ist wichtig, dass sie eine gute Schulzeit verbringen und eine gute Ausbildung geniessen können. Im Bildungswesen ist vieles in Bewegung – aber ich mag Herausforderungen, und ich glaube, dass man im Schulrat viel bewegen kann.

Ist der Schulrat, nach all den Vorwürfen der letzten Zeit, überhaupt noch eine attraktive Behörde?

ME: Obwohl mir tatsächlich viele Leute davon abraten, mich in den Schulrat wählen zu lassen, halte ich die Aufgaben für sehr anspruchsvoll und wichtig – und deshalb attraktiv. Ich erachte den Schulrat auch als eine Art Kommunikationsdrehscheibe – obwohl es natürlich Grenzen gibt, zum Beispiel, wenn es um personalrechtliche Fragen geht.

NML: Ich kann die Umstände nicht kommentieren, weil ich sie nicht genau kenne; aber ich glaube, man nimmt momentan in der Öffentlichkeit nur einzelne Seiten des Schulrates wahr. Es gibt noch viele andere Bereiche, die es auch wert wären, darüber zu sprechen, damit man sieht, was der Schulrat alles leistet. Ich glaube deshalb, dass die Kommunikation nach aussen verbessert werden kann.

Du bist in der FDP / Frischluft.Wie würdest du deine Partei im Schulrat vertreten?

ME: Die Parteilinie steht für mich nicht im Vordergrund; auch parteiintern sind wir uns nicht immer über alles einig. Wichtiger ist mir, meine beruflichen Erfahrungen  einbringen zu können: Beispielsweise sind die Fähigkeiten der Schul- und Lehrabgänger oft eklatant unter den Erwartungen – deshalb ist für mich die (positive) Leistungsorientierung wichtig.

Ich glaube auch, dass die Schule als Organisation teilweise sehr „geschlossen“ und nicht durchlässig für Methoden aus der Wirtschaft ist (z. B. Personalentwicklung usw.)

NML: Die Frischluft hat in dem Sinne kein Parteiprogramm wie andere Parteien, sondern will sich für politische, soziale und kulturelle Anliegen im Dorf einsetzen. Ich bin bei der Frischluft im Vorstand, weil ich mich mit den Inhalten und Einstellungen der Gruppierung identifizieren kann. Insofern wird die Frischluft sicher sichtbar sein im Schulrat – aber nicht, weil ich sie bewusst vertrete, sondern weil meine Einstellungen zu denen der Frischluft eben meistens deckungsgleich sind. Man bringt sich ja als Person in eine solche Behörde ein, und nicht als „Parteimitglied“.

Wie würdest du die Meinung des Schulrates vertreten, auch wenn diese deiner persönlichen Meinung widerspricht?

ME: Der Schulrat ist für mich eine Kollegialbehörde. Ich habe zu vielen Themen eine Meinung und diese auch kundgetan – als Mitglied einer Behörde agiert man gegen aussen dann natürlich anders, denn ein Vertrauensverhältnis zwischen den Mitgliedern ist von zentraler Bedeutung. Nach wie vor würde ich mich aber zu Themen äussern, die nicht gerade im Schulrat behandelt werden.

NML: Der Schulrat ist klar eine Kollegialbehörde. Es ist wichtig, dass man gegenüber der Öffentlichkeit und Schule als Einheit auftritt. Das erlebe ich im beruflichen Umfeld oft – es geht darum, dass man im Team arbeitet, sich im Entscheidungsprozess einbringt und sich dann aber zurücknimmt, wenn der Entscheid gefallen ist.

Schulratsarbeit benötigt viel Zeit. Du beruflich und familiär stark engagiert – woher nimmst du die Zeit?

ME: Mir ist klar, dass der Schulrat keine Kommission ist, die dreimal im Jahr tagt und ich habe keine Angst vor dem Aufwand – ich habe schon heute den Bereich „Politik“ in meinem Leben, und es geht darum, diesen Teil meiner Zeit neu einzuteilen.

NML: Ich habe mich bei existierenden Schulräten über den zeitlichen Aufwand erkundigt, welcher das Amt verlangt. Ich habe ein familiäres Umfeld, welches mir relativ freie Strukturen ermöglicht und die  zeitliche Einteilung selten zu einem Problem werden lässt. Ich habe für mich genau abgewogen, ob das Amt, neben Familie und Beruf, überhaupt Platz hat – und wenn das nicht so wäre, hätte ich mich gar nicht aufstellen lassen.

Was ist für dich eine gute Schule?

ME: Erstens: Eine Schule, worin sich die Kinder und Jugendlichen viele Kompetenzen (nicht Wissen!) fürs Leben aneignen können, um sich im Beruf und im Leben mit Freude behaupten können. Zweitens: An einer guten Schule macht es Spass, Schule zu geben und zu lernen. Drittens: Eine gute Schule nimmt Veränderungen nicht als Bedrohung wahr, sondern als Chance, um sich weiterzuentwickeln.

NML: An einer Schule gibt es verschiedene Akteure mit verschiedenen Bedürfnissen – Kinder, Lehrpersonen, Erziehungsberechtigte, Trägerschaften, die Öffentlichkeit und so weiter. Eine gute Schule kann die verschiedenen Bedürfnisse dieser Akteuren so gut wie möglich unter einen Hut bringen. Eine offene Kommunikation ist hierbei unumgänglich damit die Zusammenarbeit gelingt. Gleichzeitig sollte alles unternommen werden, dass die Rahmenbedingungen optimal sind: Dabei denke ich zum Beispiel an eine intakte Infrastruktur, Weiterbildungsangebote und ein gutes Arbeitsklima für Lehrpersonen, das Einbringen von Eltern, der Einbezug der Öffentlichkeit usw.

Vor lauter Leistung und Reformen sollten wir aber nie vergessen, dass letztendlich das Kind mit seinen Bedürfnissen im Mittelpunkt der Schule steht.

Wie stehst du zu PISA?

ME: Mir scheint es weniger wichtig, wie z. B. Schüler in Finnland gegenüber Schülern aus der Schweiz abschneiden. Im Sinne von Lernkontrollen und einem Vergleich zwischen ähnlichen Bevölkerungsgruppen machen solche Studien aber durchaus Sinn. Auch die zeitliche Entwicklung (z. B. ein Vergleich derselben Bevölkerungsgruppe über die Jahre hinweg kann Trends und Entwicklungen aufzeigen. PISA wird oft sehr undifferenziert entweder hochgelobt oder verteufelt, obwohl solche Erhebungen bei korrekter Interpretation durchaus Sinn machen.

NML: Ich finde PISA eine wichtige und gute Sache, weil es eine Möglichkeit darstellt, die Qualität einer Schule zu messen. Solche Messungen zeigen Trends auf und können uns helfen zu verstehen, wo wir uns verbessern können.

Für mich steht aber der kantonale Vergleich klar im Vordergrund.

Wie stehst du zu HarmoS und dem Bildungsraum Nordwestschweiz?

ME: Ich bin ein entschiedener Befürworter von HarmoS; wir sollten die Mobilität von Familien vereinfachen, wozu HarmoS sicher einen Beitrag leistet. Im Kanton Basel-Land ändert sich nicht viel mit der Einführung von Harmos, abgesehen von der Dauer der Schulstufen; deshalb ist dieser Schritt trotz struktureller Konsequenzen sicher wert, gemacht zu werden.

Zum Bildungsraum NWS habe ich eine etwas differenziertere Meinung; die Basisstufe an sich halte ich für pädagogisch wertvoll (ohne selbst Erfahrung damit zu haben).

Ebenso wichtig (auf die Gemeinde bezogen) sind mir aber die dezentralen Standorte von Kindergärten. Meine Frage an den Bildungsraum ist, ob  die Basisstufe auch mit teilweise dezentralen Standorten umsetzbar ist. Ich kenne die Antwort nicht, aber sie wird meine Meinung stark beeinflussen.

Aber die Bassistufe ist momentan auf politischer Ebene wohl gestorben; breiter gestreute Versuche damit im Kanton Basel-Land würde ich aber befürworten.

NML: Ich bin klar für HarmoS. Vor allem die für alle geltenden nationalen Bildungsziele und die harmonisierten Strukturen sind für mich wichtig, weil sie für Vereinfachungen in verschiedenen Bereichen sorgen – angefangen bei der Qualitätsmessung bis hin zu besserer Mobilität von Familien. Man hört aktuell viel über die Reformen im Bildungswesen, und dass sie die Beteiligten ermüden und zermürben können– aber HarmoS ist es sicherlich wert den Aufwand auf sich zu nehmen.

Am Bildungsraum Nordwestschweiz ist für mich ist vor allem wichtig, dass wir gerade hier, wo wir so miteinander verzahnt sind, eine gemeinsame Stossrichtung haben.

Wie stehst du zur Integration an den Schulen?

ME: Bezüglich Integration von Migrantenkindern hat die Schule eine enorm wichtige Funktion; dort trägt sie viel dazu bei, dass wir keine segregierten Bevölkerungsgruppen haben (je nach Bildungsstand der Eltern). Für mich funktioniert das auch gut, wobei meines Erachtens wichtige Impulse auch schon vor dem Kindergarten gegeben werden – mir gefällt das Modell von Basel-Stadt, wo Migrantenkinder mit deutschsprachigen Kindern schon sehr früh in Kontakt treten können.

Über die Integration von ehemaligen „Sonderschülern“ in Regelklassen habe ich mir noch keine Meinung gebildet, weil ich damit noch keine Erfahrung habe. Wichtig erscheint mir, dass die unkomplizierte „räumliche“ Integration (z. B. innerhalb eines Schulhauses) stattfinden kann. Der Fasnachtsumzug in Arlesheim ist für mich ein schönes Beispiel dafür.

NML: Grundsätzlich bin ich dafür, dass Integration in allen Bereichen stattfindet, denn so lernen die Kinder, dass es Menschen mit unterschiedlichen Möglichkeiten gibt und auf diese Rücksicht zu nehmen. Es gibt immer einen Rahmen des Erträglichen, aber der sollte nicht zu eng sein. Denn Separation entspricht nicht meiner Philosophie einer solidarischen Gesellschaft.

Was ist für dich “Elternmitwirkung”?

ME: Elternmitwirkung ist das Mitdenken, Mithandeln und Mitziehen der Eltern an den gleichen Stricken wie die Lehrpersonen, um eine möglichst gute Schule zu entwickeln. Ich werde in ca. zwei Wochen meinen ersten Elternstamm erleben und bin gespannt darauf – ich halte das für eine gute Idee, um die informelle Kommunikation zwischen Eltern und Lehrpersonen zu ermöglichen. Vom Konzept eines Elternrates bin ich nicht überzeugt, denn ich weiss nicht, ob sich genügend Interessenten finden, damit er funktionieren kann, denn  ich glaube, dass die Bereitschaft, sich zu exponieren, nur bei wenigen Eltern vorhanden ist. Aber um ein abschliessendes Urteil über einen Elternrat abgeben zu können, fehlt mir die Erfahrung im Schulrat – vielleicht sehe ich das nach einer gewissen Zeit in dieser Behörde anders?

Die Elternmitwirkung kann aber auch spontan ablaufen, und sollte vielleicht auch nicht überall institutionalisiert werden.

NML: Elternmitwirkung hat für mich ganz früh angefangen – mein Sohn ist im Tagesheim, und es ist sehr wichtig für mich, dass ich weiss, was wie läuft. So ähnlich stelle ich mir das auch auf Schulstufe vor. Ich halte die Einführung der Elternstämme für einen guten Schritt, denn diese institutionalisierte Form der Zusammenarbeit gibt die Möglichkeit, sich regelmässig auszutauschen.

Es geht hier nicht nur um Kuchenbacken. Der Elternbeitrag soll darüber hinaus gehen. Bei Projektwochen oder im Bereich der Gesundheitsförderung wäre auch eine inhaltliche Mitarbeit und Unterstützung durch die Eltern denkbar.

Dabei ist es grundsätzlich wichtig, dass die Grenzen der Elternmitwirkung klar sind – wo ist Mitwirkung erwünscht, wo nicht? Dies muss für Eltern, Lehrpersonen und auch für die Kinder transparent sein.

Funktioniert Elternmitwirkung für dich in Arlesheim?

ME: Ich persönlich finde, dass ich mich so einbringen kann, wie ich möchte Allerdings habe ich den Eindruck, dass viele Eltern oft nicht wissen, an wen sie sich mit konkreten Anliegen wenden sollen.

NML: Das kann ich so nicht beantworten, weil meine Kinder noch zu klein sind – aber wie ich schon sagte, ist für mich die Einführung der Elternstämme eine gute Sache.

Ist ein “SchülerInnenrat” für dich ein Thema?

ME: Das fände ich eine spannende Idee – z. B. gäbe es dort die Möglichkeit, die Welt der Politik zu beschnuppern; ganz abgesehen davon könnten die SchülerInnen so direkt in der Evaluation mitwirken und in den Schulalltag einbezogen werden.

NML: Diese Idee gefällt mir sehr gut – in einem Schülerrat könnten SchülerInnen lernen, gemeinsam eine Meinung zu bilden und diese  gegenüber der Lehrerschaft zu vertreten. Dieser Austausch hilft, dass sie offiziell eine Stimme erhalten und ernst genommen werden.

Aber auch hier müssen der Rahmen und die Möglichkeiten klar abgesteckt sein – auch ein Schülerrat kann (und soll) nicht überall mitreden.

Am Ende sollten die SchülerInnen, als „Hauptakteure“ an Schulen, aber sicher eine Stimme haben.

Anmerkung: Die Interviews wurden getrennt voneinander geführt – in der Hacienda San Pedro in Dornach, sozusagen auf “neutralem Boden…”

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