Helikoptereltern, Hypereltern, Curlingeltern, Soccer-Mom, Tiger Mom, Black-Hawk-Vater: alles Ausdrücke für ein Phänomen, das auch bei uns immer häufiger zu beobachten ist.

Es geht dabei um Eltern die ihre Kinder ständig umkreisen und vor allen möglichen Gefahren schützen und behüten wollen. Am liebsten würden sie den Kindern zu diesem Zweck einen Chip mit GPS einpflanzen. Sie wollen für ihre Kinder im Grunde nur das Beste, und glauben, das Beste sei, sie rund um die Uhr zu kontrollieren oder zu beschützen. Könnten sie, würden sie die Kinder gerne jeden Morgen in eine dicke Schicht Verpackungspapier einwickeln. Sie organisieren alles für ihre Kinder im Glauben, so deren Fähigkeiten und Karrieren zu fördern. Hauptsache der Ehrgeiz der Eltern wird befriedigt. Wie es den betroffenen Kindern geht, interessiert die wenigsten.

Nichts ist den Eltern zu teuer, wenn es um die Zukunft ihrer Lieblinge geht. Auch sonst sind die Eltern immer für die Kinder da, kreisen über ihnen wie Helikopter, allzeit bereit, ihren Kindern jegliche Steine aus dem Weg zu räumen.

Und die Spätfolgen? Viele Kinder und Jugendliche entwickeln sich zu Egomanen mit niedriger Frustrationstoleranz oder zu verängstigten jungen Erwachsenen, die das Leben oft nur mithilfe von Therapien oder Selbsthilfegruppen meistern können.

Wieso glauben immer mehr Eltern, dass ihre Kinder im Leben nur erfolgreich sein können, wenn sie ihnen alles ermöglichen? Selbständigkeit und Selbstbewusstsein haben immer auch etwas damit zu tun, wie es Eltern gelingt loszulassen. Kinder wachsen an eigenen Erfahrungen. Wenn sie Schwierigkeiten selbst gemeistert oder eigene Lösungen für ein Problem gefunden haben, gibt ihnen das Sicherheit und Vertrauen ins eigene Handeln. Wer seine Kinder ständig überwacht, verwehrt ihnen die Selbständigkeit. Schrittweises Loslassen hilft ihnen dabei, grundsätzliche Erfahrungen zu machen.

Carl Honoré, amerikanischer Autor und Vater von zwei Kindern, schrieb dazu das Buch «Under Pressure – Rescuing Our Children from the Culture of Hyper-Parenting», ein Buch über die fatalen Auswüchse von überengagierten Eltern.

Beobachter 7/10, Sonntagszeitung vom 23.1.2011, SF DOK vom 10.1.2011

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