Die Schule ist nicht für Buben gemacht

Kinderarzt  Remo Largo schreibt  in seinem Buch  „Schülerjahre – wie Kinder besser lernen“,

auch darüber, warum die Schule nicht für Buben gemacht ist und wie eine bessere Schule aussieht.

Kinder lernen einfacher, wenn sie sich angenommen fühlen und ihrem Entwicklungsstand entsprechend lernen können.  Der Lehrplan sollte so angelegt sein, dass ein Kind seine Fähigkeiten überall so gut wie möglich entwickeln kann.

Kinder  wollen dauerhafte und wenige Bezugspersonen. Kinder werden nicht führbar durch Regeln, sondern durch Beziehungen. Zwei bis drei Lehrer, alles andere ist kontraproduktiv.

Ausserdem gibt es Unterschiede in den Geschlechtern, Buben sind motorisch deutlich aktiver als Mädchen. Statt dies zu akzeptieren, setzt man diejenigen unter Druck, die von der Norm abweichen.

Gute Noten erzielen oft die Braven, die Angepassten und das sind vor allem die Mädchen. Kein Wunder sind 60% unserer Gymnasiasten weiblich.

Buben müssen sich auch mal austoben können, fordert Remo Largo. Eine kindgerechte Schule respektiert dieses Bewegungsbedürfnis. Chancengleichheit im Bildungssystem ist dann erreicht, wenn  jedes Kind sein individuelles Entwicklungspotential möglichst gut ausschöpfen kann.

Aus dem Interview mit Remo Largo.  (Migros-Magazin 10)

Buch: Schülerjahre – wie Kinder besser lernen (ISBN-10: 3-492-25848-4)

Verwirrung um HarmoS in Basel-Land

Vor einigen Wochen war in einer Medien-Mitteilung zu lesen, dass sich die Bildungs- Kultur- und Sportkommission des Kantons Basel-Land gegen einen HarmoS Beitritt ausspricht.

Dieser Entscheid an sich ist schon einigermassen befremdend – richtig verwirrend wird es ein paar Zeilen weiter unten, wo nämlich dem Landrat empfohlen wird, die Änderungen des Bildungsgesetzes bezüglich “Bildungsraum Nordwestschweiz” anzunehmen.

Wir haben mit der BKSK Kontakt aufgenommen, um diese Entscheide besser verstehen zu können. Der Antwort ist zu entnehmen, dass die BKSK mit “sehr knappen Stimmverhältnissen” entschieden hat. Offensichtlich haben die Befürchtungen bezüglich zwei Fremdpsrachen auf Primarstufe gegen HarmoS gesprochen – und gegen die Sonderpädagogik die Befürchtung, dass der Unterricht “infolge der Durchmischung [von nicht-behinderten und behinderten Kinder] für die Lehrpersonen start erschwert würde”. Ausserdem sei mit Widerstand von Eltern zu rechnen.

Den Bildungsraum Nordwestschweiz möchte die Kommission dennoch zur Annahme empfehlen, weil “eine Zusammenarbeit zwischen den Kantonen trotz allem sehr erwünscht ist”.

Als nächstes steht nun die Landratsdebatte bevor – wir hoffen, dass sich der Landrat nicht von Befürchtungen und diffusen Vorhersagen über mögliche Reaktionen der Eltern (=WählerInnen!) leiten lässt, sondern von Chancen, die sich hier eröffnen – und dass man die Zusammenarbeit nicht “trotz allem”, sondern “eben deshalb” sucht!

Die Elternplattform steht weiterhin hinter HarmoS – alle Reformen und Veränderungen bergen Risiken und Chancen, und die Kunst ist es, erstere zu minimieren und letztere zu begünstigen. Wir freuen uns, dass trotz des Schlingerkurses einiger Parteien sich lokale Exponenten weiterhin klar für HarmoS aussprechen.

Baselland spart bei Sekundarschule

An den Sekundarschulen sollen erneut 14 Millionen Franken eingespart werden. Die sichtbarste Auswirkung wäre die Erhöhung der Maximalanzahl von SchülerInnen in Klassen auf 26 sowie die Reduzierung des Angebots an Wahlfächern.

Bereits haben Lehrkräfte und Eltern dagegen demonstriert.

Auch die Elternplattform Arlesheim ist entschieden gegen diese Sparpläne. Bereits jetzt sind die Klassen mit bis zu 24 Kindern zu gross und viele Lehrkräfte (und SchülerInnen!) stossen an ihre Grenzen.

Wir glauben, dass die angekündigten Sparmassnahmen ein Schritt in die falsche Richtung sind und fordern den Regierungsrat und die Bildungsdirektion auf, den Entscheid zu überdenken und rückgängig zu machen.

Update: Weitere Infos sind auf der Homepage des Kantons zu finden.

Integration

Gestern war in der NZZ am Sonntag ein interessanter Artikel zu lesen: Vom Widerstand der Lehrpersonen gegen die integrativen Schulmodelle war zu lesen.

Der springende Punkt ist, dass der Widerstand keineswegs grundsätzlicher Natur ist – das Problem sind vielmehr die fehlenden Strukturen zur Unterstützung der Integration – die Lehrpersonen sind oft zeitlich überfordert, oder es mangelt an geeigneter Infrastruktur.

Dies zeigt ein Kernproblem vieler an sich guter Ideen – ohne finanziellen Konsequenzen nützen sie wenig. Ob teilautonome Schulen, integrative Modelle oder ganz banal sanierte Schulhäuser – das alles kostet Geld. Leider scheint oft die Meinung zu herrschen, dass im Bildungsbereich alles auch ohne grossartigen Aufwendungen zu machen sei – ein fataler Irrtum, welcher sich nicht zuletzt in frustrierten Lehrpersonen, Eltern und – SchülerInnen manifestiert.

Regierungsrat investiert in Bildung

In der Medienmitteilung zu den Verhandlungen des Regierungsrates von letzter Woche fallen zwei Meldungen positiv auf: Der Regierungsrat des Kantons Basel-Land hat einen Projektkredit von 32 Millionen für die Planung des neuen Standortes der Fachhochschule Nordwestschweiz in Muttenz beantragt. Der vorgesehene Umzug in die neuen Räumlichkeiten soll 2016 stattfinden.

Ausserdem sollen Teile des Gymnasiums Münchenstein für rund 25 Millionen Franken renoviert werden; weitere knapp 2 Millionen sollen für die Planung einer (räumlichen) Erweiterung des Gymnasiums gesprochen werden.

Mit diesen Entscheiden setzt der Regierungsrat ein Zeichen – auch in Zeiten der (finanziellen) Krisen soll und muss in die Bildung investiert werden.

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