Freie Schulwahl für Gymnasien beider Basel?

Gemäss einer Mitteilung der Elternlobby Schweiz planen die Rektoren der Gymnasien Basel-Land und Basel-Stadt sowie die Amtsstellen eine freie Auswahl zwischen allen Gymnasien der beiden Kantone.

Das bedeutet – künftig (ein genauer Zeitpunkt ist noch nicht festgelegt) sollen Gymnasiasten und Gymnasiastinnen wählen können, in welches Gymnasium sie gehen wollen: In der Stadt? Auf dem Land? In das kürzlich durch sein Abschneiden bei den Aufnahmetests der ETH Furore machende Gymi Liestal? Oder in das als “streng” bekannte Gymi Oberwil?

Es gehe nicht um die freie Schulwahl – sondern um eine “gelenkte freie Schulwahl”, sagt die Baselbieter Bildungsdirektion; es wird vorsichtig von einer “Schulwahlfreiheit möglicherweise in überschaubarem Rahmen” gesprochen.

Die Rektoren haben nach eigenen Angaben keine Angst – vom Gym Oberwil wird verlautet, dass der Schulweg das erste Kriterium sei.

Bildungsraum “light”

Aller Unkenrufe zum Trotz: Heute haben die Regierungen des Kantons Basel-Stadt und Basel-Land bekanntgegeben, dass sie ihre beiden Schulsysteme harmonisieren möchten. Sie tun dies, indem sie gleichzeitig zu HarmoS und zum gesamtschweizerischen Konkordat “Sonderpädagogik” beitreten.

Die Anpassungen der Schulgesetze wurden zu Handen der Parlamente verabschiedet.

Nach dem Scheitern des “Bildungskleeblattes” im Kanton Aargau ist der Bildungsraum Nordwestschweiz schleichend beschnitten worden; die heutige Medienmitteilung lässt aber wieder hoffen: Obwohl nur die beiden Basel den Schritt Richtung HarmoS gehen, geschieht dies dennoch in Abstimmung mit den beiden anderen Kantonen Solothurn und Aargau: Abschlussverfahren und Leistungstests sollen in diesem Bildungsraum “light” vereinheitlicht werden.

Die Elternplattform begrüsst diesen Schritt ausdrücklich; wir wünschen uns, dass die Umsetzung von HarmoS nun so schnell wie möglich an die Hand genommen wird.

HarmoS schon wieder zweimal durchgefallen

Natürlich sollte man sich auf die positiven Neuigkeiten konzentrieren – in Bern wurde heute das HarmoS Konkordat in einem Referendum angenommen.

Auf der anderen Seite nehmen die negativen Schlagzeilen im Zusammenhang mit der Abstimmung immer mehr zu: Nebst der Tatsache, dass die Vorlage in Bern nur mit 51.5% angenommen wurde, haben zwei weitere Kantone, nämlich Uri und Zug, das Konkordat den Bach runter geschickt.

Nach diesen Abstimmungen steht es zwar 11:5 für HarmoS (dafür: BE, SH, GL, VD, JU, NE, VS, SG, ZH, GE und TI; dagegen: ZG, UR, LU, GR, TG und NW); dennoch aber stimmen die Resultate nachdenklich.

Während die Gegner der Vorlage eine zumeist sehr emotionale Kampagne (es sei an die weinenden Kinder erinnert) führen, fällt es den Befürwortern offenbar schwer, die Vorteile aufzuzählen.

Die Elternplattform hat sich stets klar zu HarmoS bekennt – und deshalb hier noch einmal unsere drei Top-Gründe dafür:

  • Lernziele und Schulstrukturen werden kantonsübergreifend angeglichen – das bringt neben besserer Vergleichbarkeit (Stichwort: Qualität!) vor allem erhebliche Mobilitätsvorteile – allfällige Anschlussprobleme in der Schule nach Umzügen in andere Kantonen gehören so der Vergangenheit an
  • Der Kindergarten erfährt eine Aufwertung dadurch, dass zwei Jahre obligatorisch werden und er zusammen mit der Primarschule zur “Grundschule” gezählt wird (das ändert übrigens nichts an den Inhalten – so etwas wie “Einschulung mit 4″ ist im Grunde nichts als Polemik)
  • HarmoS fordert die Kantone auf, die Primarschulstufe vorzugsweise in Blockzeiten zu organisieren und weiter, dem Bedarf vor Ort entsprechende Tagesstrukturen anzubieten. Die Nutzung der Tagesstrukturen ist fakultativ und normalerweise beitragspflichtig. Dies ändert wenig an existierenden Strukturen, allerdings werden die Kantone stärker in die Pflicht genommen.

Wer noch mehr wissen will, dem sei unser HarmoS-Dossier ans Herz gelegt – darin haben wir versucht, alle Fakten und viele interessante Links zu sammeln.

Bildungsraum Nordwestschweiz verzichtet auf Basisstufe

Die Regierungsräte für Bildung aus Basel-Land, Basel-Stadt, Solothurn und Aargau haben auf die Resultate der Vernehmlassung des Bildungsraumes Nordwestschweiz sowie auf die Abstimmung im Kanton Aargau reagiert und ihre Vorschläge überarbeitet.

Als grösste Veränderung zur ursprünglichen Vorlage fällt auf, dass explizit auf die Einführung einer Basisstufe verzichtet wird – dies aufgrund überwiegend skeptischer Rückmeldungen.

Ebenfalls will man auf einen Staatsvertrag verzichen; stattdessen soll auf “interkantonale Vereinbarungen” gesetzt werden, welche natürlich auch weniger verbindlich sind.

Schliesslich fällt auf, dass für die Kantone Basel-Land, Solothurn und Basel-Stadt konkrete “nächste Schritte” vorliegen – für den Kanton Aargau jedoch nicht. Aufgrund der kürzlichen Abstimmungsresultate ist dies allerdings nicht weiter verwunderlich.

Die Elternplattform bedauert ausdrücklich den Verzicht auf die Basisstufe; dieses Modell, welches einen fliessenden Übergang vom Kindergarten in die Primarschule erlaubt, wird den einzelnen, teilweise sehr unterschiedlichen Bedürfnissen von Kindern unseres Erachtens weit mehr gerecht als die gängige Praxis einer Trennung zwischen “Kindergarten” und “Schule”. Dass hier offensichtlich hauptsächlich strukturelle Rahmenbedingungen zum Show-Stopper wurden, zeigt, dass Innovation in der Bildungspolitik einen schweren Stand hat.

Trotz veränderter Ausgangslage hoffen wir, dass der Bildungsraum, wenn nun auch in veränderter und verkleinerter Form, bald Realität wird. Investitionen in die Bildung sind und bleiben Investitionen in die Zukunft – auch und gerade in Krisen.

Schulleitungskonferenz Primar befürwortet HarmoS

In der Antwort zur Vernehmlassung hat die Schulleitungskonferenz der Kindergärten und Primarschulen in Baselland das gesamte Reformpaket (Bildungsraum, HarmoS) “grundsätzlich” befürwortet.

In einer ausführlichen Stellungnahme wird darauf hingewiesen, dass solche grundlegenden Reformen von verschiedenen Massnahmen begleitet werden müssen; ausserdem wir klar ausgeführt, dass verschiedene Punkte noch nicht zufriedenstellend adressiert sind.

Wie der Lehrerinnen- und Lehrerverein hat also auch die Schulleitungskonferenz erkannt, dass noch einige Lücken zu schliessen sind. Anders als jener aber wird eine andere Konsequenz daraus gezogen: Das Paket erscheint offenbar als Schritt in die richtige Richtung – und einige Punkte müssen noch geklärt werden.

Wir freuen uns über diesen konstruktiven Ansatz.

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