Verwirrung um HarmoS in Basel-Land

Vor einigen Wochen war in einer Medien-Mitteilung zu lesen, dass sich die Bildungs- Kultur- und Sportkommission des Kantons Basel-Land gegen einen HarmoS Beitritt ausspricht.

Dieser Entscheid an sich ist schon einigermassen befremdend – richtig verwirrend wird es ein paar Zeilen weiter unten, wo nämlich dem Landrat empfohlen wird, die Änderungen des Bildungsgesetzes bezüglich “Bildungsraum Nordwestschweiz” anzunehmen.

Wir haben mit der BKSK Kontakt aufgenommen, um diese Entscheide besser verstehen zu können. Der Antwort ist zu entnehmen, dass die BKSK mit “sehr knappen Stimmverhältnissen” entschieden hat. Offensichtlich haben die Befürchtungen bezüglich zwei Fremdpsrachen auf Primarstufe gegen HarmoS gesprochen – und gegen die Sonderpädagogik die Befürchtung, dass der Unterricht “infolge der Durchmischung [von nicht-behinderten und behinderten Kinder] für die Lehrpersonen start erschwert würde”. Ausserdem sei mit Widerstand von Eltern zu rechnen.

Den Bildungsraum Nordwestschweiz möchte die Kommission dennoch zur Annahme empfehlen, weil “eine Zusammenarbeit zwischen den Kantonen trotz allem sehr erwünscht ist”.

Als nächstes steht nun die Landratsdebatte bevor – wir hoffen, dass sich der Landrat nicht von Befürchtungen und diffusen Vorhersagen über mögliche Reaktionen der Eltern (=WählerInnen!) leiten lässt, sondern von Chancen, die sich hier eröffnen – und dass man die Zusammenarbeit nicht “trotz allem”, sondern “eben deshalb” sucht!

Die Elternplattform steht weiterhin hinter HarmoS – alle Reformen und Veränderungen bergen Risiken und Chancen, und die Kunst ist es, erstere zu minimieren und letztere zu begünstigen. Wir freuen uns, dass trotz des Schlingerkurses einiger Parteien sich lokale Exponenten weiterhin klar für HarmoS aussprechen.

Freie Schulwahl für Gymnasien beider Basel?

Gemäss einer Mitteilung der Elternlobby Schweiz planen die Rektoren der Gymnasien Basel-Land und Basel-Stadt sowie die Amtsstellen eine freie Auswahl zwischen allen Gymnasien der beiden Kantone.

Das bedeutet – künftig (ein genauer Zeitpunkt ist noch nicht festgelegt) sollen Gymnasiasten und Gymnasiastinnen wählen können, in welches Gymnasium sie gehen wollen: In der Stadt? Auf dem Land? In das kürzlich durch sein Abschneiden bei den Aufnahmetests der ETH Furore machende Gymi Liestal? Oder in das als “streng” bekannte Gymi Oberwil?

Es gehe nicht um die freie Schulwahl – sondern um eine “gelenkte freie Schulwahl”, sagt die Baselbieter Bildungsdirektion; es wird vorsichtig von einer “Schulwahlfreiheit möglicherweise in überschaubarem Rahmen” gesprochen.

Die Rektoren haben nach eigenen Angaben keine Angst – vom Gym Oberwil wird verlautet, dass der Schulweg das erste Kriterium sei.

Bildungsraum “light”

Aller Unkenrufe zum Trotz: Heute haben die Regierungen des Kantons Basel-Stadt und Basel-Land bekanntgegeben, dass sie ihre beiden Schulsysteme harmonisieren möchten. Sie tun dies, indem sie gleichzeitig zu HarmoS und zum gesamtschweizerischen Konkordat “Sonderpädagogik” beitreten.

Die Anpassungen der Schulgesetze wurden zu Handen der Parlamente verabschiedet.

Nach dem Scheitern des “Bildungskleeblattes” im Kanton Aargau ist der Bildungsraum Nordwestschweiz schleichend beschnitten worden; die heutige Medienmitteilung lässt aber wieder hoffen: Obwohl nur die beiden Basel den Schritt Richtung HarmoS gehen, geschieht dies dennoch in Abstimmung mit den beiden anderen Kantonen Solothurn und Aargau: Abschlussverfahren und Leistungstests sollen in diesem Bildungsraum “light” vereinheitlicht werden.

Die Elternplattform begrüsst diesen Schritt ausdrücklich; wir wünschen uns, dass die Umsetzung von HarmoS nun so schnell wie möglich an die Hand genommen wird.

Bildungsraum Nordwestschweiz verzichtet auf Basisstufe

Die Regierungsräte für Bildung aus Basel-Land, Basel-Stadt, Solothurn und Aargau haben auf die Resultate der Vernehmlassung des Bildungsraumes Nordwestschweiz sowie auf die Abstimmung im Kanton Aargau reagiert und ihre Vorschläge überarbeitet.

Als grösste Veränderung zur ursprünglichen Vorlage fällt auf, dass explizit auf die Einführung einer Basisstufe verzichtet wird – dies aufgrund überwiegend skeptischer Rückmeldungen.

Ebenfalls will man auf einen Staatsvertrag verzichen; stattdessen soll auf “interkantonale Vereinbarungen” gesetzt werden, welche natürlich auch weniger verbindlich sind.

Schliesslich fällt auf, dass für die Kantone Basel-Land, Solothurn und Basel-Stadt konkrete “nächste Schritte” vorliegen – für den Kanton Aargau jedoch nicht. Aufgrund der kürzlichen Abstimmungsresultate ist dies allerdings nicht weiter verwunderlich.

Die Elternplattform bedauert ausdrücklich den Verzicht auf die Basisstufe; dieses Modell, welches einen fliessenden Übergang vom Kindergarten in die Primarschule erlaubt, wird den einzelnen, teilweise sehr unterschiedlichen Bedürfnissen von Kindern unseres Erachtens weit mehr gerecht als die gängige Praxis einer Trennung zwischen “Kindergarten” und “Schule”. Dass hier offensichtlich hauptsächlich strukturelle Rahmenbedingungen zum Show-Stopper wurden, zeigt, dass Innovation in der Bildungspolitik einen schweren Stand hat.

Trotz veränderter Ausgangslage hoffen wir, dass der Bildungsraum, wenn nun auch in veränderter und verkleinerter Form, bald Realität wird. Investitionen in die Bildung sind und bleiben Investitionen in die Zukunft – auch und gerade in Krisen.

Schulleitungskonferenz Primar befürwortet HarmoS

In der Antwort zur Vernehmlassung hat die Schulleitungskonferenz der Kindergärten und Primarschulen in Baselland das gesamte Reformpaket (Bildungsraum, HarmoS) “grundsätzlich” befürwortet.

In einer ausführlichen Stellungnahme wird darauf hingewiesen, dass solche grundlegenden Reformen von verschiedenen Massnahmen begleitet werden müssen; ausserdem wir klar ausgeführt, dass verschiedene Punkte noch nicht zufriedenstellend adressiert sind.

Wie der Lehrerinnen- und Lehrerverein hat also auch die Schulleitungskonferenz erkannt, dass noch einige Lücken zu schliessen sind. Anders als jener aber wird eine andere Konsequenz daraus gezogen: Das Paket erscheint offenbar als Schritt in die richtige Richtung – und einige Punkte müssen noch geklärt werden.

Wir freuen uns über diesen konstruktiven Ansatz.

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